Der Verleger und die Kunst

Der Verleger und die Kunst

«In ein Muse­um gehe ich mit der Ab­sicht, Kunst anzuschauen und set­ze mich somit ganz bewusst ei­ner Si­tuati­on aus. In ei­ner Un­terneh­mung ist dies an­ders, da drängt sich die Kunst hoff­entlich unauffällig in den All­tag der Men­schen. Das gibt ei­ne ganze an­de­re Wirkung. Sie ist einfach da.

 

Sie steht da, sie hängt einfach an der Wand und sie beein­flusst auf ei­ne sehr dis­kre­te Art und Weise die Wahr­neh­mung der Men­schen. Ich kann mir vor­stel­len, dass die Wir­kung der Kunst – wie wir sie ha­ben – noch grös­ser ist, als wenn man in ein Muse­um geht.

 

Bei­de stel­len Fra­gen, bei­de we­cken Emo­tionen. Sie pole­mi­sie­ren, sie pola­ri­sie­ren und was wohl die wich­tigste Gemein­sam­keit ist – sowohl Jour­na­lis­mus wie auch die Kunst – müs­sen bei­de sehr in­tel­ligent sein. Kunst stellt Fra­gen, der Jour­na­lis­mus stellt Fra­gen und nur so ha­ben wir die Chance, zu neuen Ant­wor­ten zu kom­men.

 

Fast noch wichti­ger ist jedoch, dass man sich bei der Kunst auf subjektive Ent­scheidun­gen einlässt. Kunst hat mit Emo­tionen zu tun, Kunst hat mit Un­si­cherheit zu tun. Grundsätzlich macht man also bei Ent­scheidun­gen über die Kunst die ge­nau glei­chen Ent­scheidun­gen wie in ei­ner Un­terneh­mung. Wenn man sich auf die Kunst einlässt, ist das ei­ne Art Trai­ning für un­ternehmeri­sche Ent­scheidun­gen.»

Michael Ringier